Klaus Höhnerbach

Klaus Höhnerbach ist Rheinländer - er ist kritisch, fragt fortwährend nach und lässt sich nichts bieten. Seinen Ausbildungsplatz hat er sich ganz bewusst ausgesucht. Er ist bei der nordautomobil-AG angestellt und ist sehr stolz darauf. Immerhin genießt er durch die nordautomobil-AG die Vorteile der dualen Ausbildung. Quartalsweise abwechselnd studiert er an einer Hochschule und lernt unterschiedliche Bereiche seines Praxisbetriebes, der nordautomobil-AG, kennen. Und so erfährt er wirklich, „wo der Hase langläuft“.

Ehrenamtlich engagiert er sich beim Kreuz des Nordens, einer bundesweit tätigen Hilfsorganisation. Hier ist sein Freund Ernst Sonnenschein beschäftigt. Ernst Sonnenschein hat Sozialmanagement an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach studiert (www.hs-niederrhein.de).

 Das besondere der Managementlehre mit Klaus Höhnerbach ist

  1. eine durchgängige Fallstudie, die
  2. vermittelt, wie konkrete praktische Probleme unter Hinzuziehung der Theorie gelöst werden können.

Die Problemlösungsansätze der Betriebswirtschaftslehre werden mittels eines praxisnahen, durch alle Bereiche durchgängigen Unternehmens und die Person Klaus Höhnerbach ‘verpackt’. Bei Klaus Höhnerbach wird der Einsatz der Theorie zur Lösung eines praktischen Problems in den Vordergrund gestellt, viel transparenter und damit die Theorie leichter verständlich und eingehender. Im Mittelpunkt steht der Zusammenhang zwischen den Entscheidungsproblemen und den Methoden. Und so macht Lernen Spaß und ist erfolgreich!

In den bisherigen Lehrbüchern zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre überwiegt die Darstellung der wissenschaftlichen Grundlage. Wenige Elemente werden dann mit einem konkreten Praxisbezug verbunden, z.B. mittels kleinerer Fallstudien und einzelner Aufgaben, die in der Regel an Kapitel angehängt sind.

Die nordautomobil-AG ist ein Unternehmen der Automobilindustrie, ein Produktionsbetrieb mit geringer Fertigungstiefe. Im Unternehmensbereich 1 werden sportliche Pkws produziert. Das Unternehmen überlegt sich, zukünftig auch Raumautos für Familien zu produzieren. Über weitere Modellerweiterungen wird nachgedacht. Vor drei Jahren konnte das Unternehmen mit 2,3 Mrd. Bilanzsumme, 350 Mio Cash Flow und 139 Mio Gewinn besonders große Erfolge feiern.

Im Unternehmensbereich 2 ist eine Dienstleistung ‘Informationsmanagement’ geplant. Hier will die unternehmensinterne EDV-Abteilung (Rechenzentrum) ihre Dienstleistungen zunächst einmal zur Auslastung der Kapazitäten auch am Markt anbieten. Zunehmend erkennen die Verantwortlichen jedoch, dass hier viel ‘Geld zu machen ist’ („Cash in de Täsch“, wie Klaus Höhnerbach aus dem Rheinland weiß) und ein wirkliches Zukunftsfeld liegt.

Das Kreuz des Nordens hat nicht wenige Probleme. Seit Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes etablieren sich im ambulanten und stationären Bereich immer mehr private, erwerbswirtschaftlich orientierte Pflegedienste, die untereinander und zu den öffentlichen und freigemeinnützigen Organisationen in einer Wettbewerbssituation stehen. Sogar erwerbswirtschaftliche Unternehmen des Konsumgüterbereichs und Dienstleistungsunternehmen außerhalb des Gesundheitsbereiches entdecken den Zugang zu der großen Zielgruppe der Senioren / jungen Alten über Dienstleistungen, die bisher vorwiegend von sozial-karitativen Organisationen angeboten werden, z.B. im Bereich des Hausnotrufes. Diese verfolgen aber ganz andere Ziele. Der Hausnotruf ist eigentlich nur ein ‚Nebenprodukt‘ für sie. Tatsächlich wollen die privaten ihre Kerndienstleistungen (z.B. Wach- und Schließdienste, spezielle Produkte für ältere Menschen) etc. verkaufen.

Aber weitere Faktoren kommen hinzu. Die Nachfrage nach professioneller Pflege steigt stetig, die Zahl der Neuzugänge in den Pflegeberufen stagniert jedoch bzw. nimmt ab. Es wird immer schwieriger, gut ausgebildetes Personal zu finden. Und – was besonders wichtig ist: Die Bedürfnisse der Kunden verändern sich. Durch die wachsende Zahl rüstiger alter Menschen steigt die Nachfrage nach Betreutem Wohnen und alternative Modelle wie Altenwohngemeinschaften und Seniorengenossenschaften rücken in den Blickpunkt. Zusätzlich muss die Organisation beachten, dass der Kostendruck enorm wächst und der notwendige Aufwand zum Nachweis der Wirtschaftlichkeit stark zunimmt. Durch den Wechsel vom Selbstkostenerstattungsprinzip zur leistungsgerechten Vergütung steigen etwa die Anforderungen an die Aufschreibung von Leistungen, die Abrechnung mit den Kostenträgern (bald auch elektronischer Datenträger­aus­tausch) und die Buchhaltung (Pflege­buch­führungsverordnung). Die gesetzlichen Anforderungen und die der Auf­trag­geber nehmen auch in anderen Bereichen zu (z.B. Gesundheits­strukturgesetz, Gesetze im Bereich Umweltschutz und Entsorgung, Zertifizierung nach DIN EN ISO 9000 ff). Und nicht zu vergessen: Der ganze Ärger mit der EDV!

Und eigentlich geht es um letzteres. Immerhin hat das Kreuz des Nordens einen Umsatz von nahezu einer halben Million Euro zu verzeichnen. Der Umsatz wird in über 700 Geschäftsstellen erbracht, die unterschiedlich groß sind, unterschiedliche Dienste anbieten, die gleichen Dienste auch noch von Geschäftsstelle zu Geschäftsstelle unterschiedlich erbringen und und und und zu allem Übel noch ganz unterschiedlich mit EDV ausgestattet sind. Anders ausgedrückt: In den Geschäftsstellen macht jeder in der EDV, ‚was er will‘. „Was da an Ressourcen vergeudet wird“, hatte Helga Hansen diesen Umstand kommentiert. Sie hatte begriffen, dass über die gleiche EDV-Entscheidung in dem Verband nahezu 700mal beraten wird. Wenn beispielsweise ein Update des Betriebssystems auf den Markt kommt, so ging bislang in jeder Geschäftsstelle ein Mitarbeiter hin, analysierte die Vor- und Nachteile eines Updates auf das neue Betriebssystem, damit in der Geschäftsführung eine Entscheidung gefällt werden konnte. Also von geballter Kompetenz konnte da sicher nicht die Rede sein.

Aber es gab auch Handlungsbedarf anderer Art. Seit Jahren hatten sich viele Geschäftsführer nicht mehr getraut, eine Entscheidung bezüglich einer Auf- oder Umrüstung zu fällen. Nicht zuletzt fühlten sich nämlich die Entscheidungsträger auch durch die technischen Entwicklungen, die sie einfach nicht mehr verstanden, stark verunsichert. Es gab also jede Menge Handlungsbedarf.

Aber das Kreuz des Nordens hat die Probleme angepackt. In unterschiedlichen Projektgruppen werden die einzelnen Problembereiche nun behandelt. Und eine Projektgruppe beschäftigt sich mit dem Outsourcing der EDV. In dieser Projektgruppe arbeitete Ernst Sonnenschein mit und über die Arbeit dieser Projektgruppe wollte er sich mit seinen Freunden Klaus Höhnerbach und Helga Hansen austauschen.

Nun noch etwas mehr zu Klaus Höhnerbach und den anderen Charakteren in der nordautomobil-AG.

Die Kollegen sind prägnante Charaktere, die leicht überzeichnet sind. Derzeitige Chefin von Klaus Höhnerbach ist Maria Funk (die Ausbildungsleiterin), die intern nur „Funkemariechen“ genannt wird. Sie ist für die Einstellung und Einteilung der Auszubildenden verantwortlich. Sie führt regelmäßige Feedback-Gespräche mit ihren Schützlingen und hat stets ein offenes Ohr. Sie ist sehr personenorientiert und konfliktscheu.

„Funkemariechen“ ist Mitarbeiterin von Friedtjof Christiansen, dem Personalleiter. Christiansen ist ein ‘Norddeutscher Knochen’, bei dem nur Leistung zählt. Er hat feste Regeln, ist streng juristisch orientiert und hält wenig von Personalentwicklung. Er zeigt keine Flexibilität, wo keine Planstelle ist, da gibt es auch keine neuen Mitarbeiter.

Dem Vertriebsleiter, Günther Wendehals, ist jedes Mittel recht: ‘Nur der Umsatz zählt. Gewinn spielt keine Rolle‘.

Der Marketingchef Emil Chateauneuf ist ein totaler Visionär. Abgehoben. Er steht in einem Dauerstreit mit dem Vertriebsleiter und hat die Produktmanager unter sich.

Ein ganzer Techniker, für den Marketing bloß ein Fremdwort darstellt, ist Albert Zweistein, der Leiter Forschung und Entwicklung. Seine Devise: „Der Unternehmenserfolg entsteht durch perfekte Produkte“.

Heinz Maaßen, der Leiter Rechnungswesen, ist ein ‘Erbsenzähler’, wie er im Buche steht. Als gelernter Finanzbuchhalter ist er allerdings ein Genie im Treasury und besonders im Cash Management. Zu den Produkten des Unternehmens hat er keine Beziehung, für ihn ist ein Auto lediglich ein Kostenträger.

Günther Lampe, der Leiter der EDV, hat selber programmiert. Er kennt nur seine ‘Emma’, eine alte AS 400. Lampe arbeitet grundsätzlich konzeptlos und fängt sofort an zu basteln. Keiner kann ihn mehr gebrauchen, aber er hat ein tolles Team, das den Laden im Griff hat. Lampe scheidet bald aus der Firma aus. Designierter Nachfolger ist Alfons Müller.

Eberhard Mildenberg, kurz ‘Der Präsident’ genannt, ist Vorstandsvorsitzender der nordautomobil-AG. Er residiert in der obersten Etage des Verwaltungsgebäudes als Kopf des Unternehmens und ist auch sonst sehr fern von dem Kunden und von der Basis. Ein Freund kann ihn jedoch davon überzeugen, zwei Wochen ‘an der Basis’, also in verschiedenen Bereichen des Unternehmens mitzuarbeiten. Soweit ein kleiner Ausschnitt.

 So vielschichtig die Charaktere sind, so vielschichtig wird auch die Story sein. Einzelne Betriebswirtschaftliche Probleme werden professionell durchleuchtet und gelöst. Probleme, so wie sie in Unternehmen auftreten und Lösungswege, so wie sie in Unternehmen beschritten werden. Im Folgenden einige Beispiele:

  • Klaus Höhnerbach meldet sich bei der Hochschule an und kommt dabei in den Genuß einer ersten Vorlesung – Marketing bei Prof. Meffko.
  • Der Unternehmensbereich 2 wird in eine Servicegesellschaft verselbstständigt. Höhnerbach bekommt durch einen glücklichen Zufall bereits sehr früh Wind von der geplanten Aktion und darf in der entsprechenden Projektgruppe mitarbeiten.
  • Aufgrund einer Kundenbeschwerde merkt Höhnerbach, dass ein Umdenken von einer Funktionenorientierung zu einer Prozessorientierung sinnvoll und notwendig ist. Höhnerbach ‘treibt das Reengineering nach vorne‘.
  • Klaus Höhnerbach erkennt, dass das Unternehmen kurz vor der Pleite steht. Er analysiert Kennzahlen und sucht nach Lösungswegen.
  • Ein Standort für ein neues Werk wird gesucht. Klaus Höhnerbach findet heraus, welches die wesentlichen Faktoren der Standortwahl sind und wendet Elemente der Entscheidungstheorie an.
  • Klaus Höhnerbach erfährt, dass sich alle Sorgen wegen des Produktprogramms machen. FuE fordert eine Innovation zu planen, Marketing will mehr Werbung - was tun?
  • Höhnerbach erkennt: Nur wenn es besser wird und sich vieles ändert, wird es erfolgreich weitergehen. Er untersucht den Übergang von der Produktidee bis zum Produkt. Wieso funktioniert das bei nordautomobil-AG nicht und wie kann es besser werden?